Taylor Swift
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Konjunktur-Schub durch Taylor Swift Wie eine Pop-Ikone die Wirtschaft beeinflusst

Stand: 14.04.2024 09:28 Uhr

Taylor Swift rennt derzeit von Rekord zu Rekord - und das nicht nur bei Musikpreisen. Der US-Superstar wird auch immer mehr zum Wirtschaftsfaktor. Was ist dran an den "Swiftonomics"?

Von Simon Ritter, NDR

Taylor Swift ist mittlerweile über die USA hinaus eine Lichtgestalt. Regelmäßig bricht die Sängerin Rekorde - und das nicht nur bei Musikpreisverleihungen wie dem Grammy, den sie mittlerweile 14-mal gewonnen hat. Swift ist ein echter Wirtschaftsfaktor geworden. Da wo sie auftritt, klingeln die Kassen. Das lässt sogar die Wirtschaftsleistung ganzer Länder steigen.

Bis zu 800 Dollar für ein Ticket

Der Erfolg von Taylor Swift beruht vor allem auf einer treuen weltweiten Fangemeinde. Die meisten von ihnen sind weiblich und im Alter der Millenials, also zwischen 1981 und 1996 geboren. Allein auf der Plattform Instagram folgen der Sängerin mehr als 280 Millionen Menschen. Auf der "Forbes"-Liste der weltweit einflussreichsten Frauen landete Swift jüngst auf Rang fünf. 2023 kürte sie das Magazin "Time" zur Person des Jahres.

Swifts Privatvermögen wird auf über eine Milliarde Dollar geschätzt. Zustande gekommen ist das vor allem durch ihre US-Tournee im vergangenen Jahr. Die Konzerte hatten solch eine wirtschaftliche Bedeutung für die Veranstaltungsorte, dass etwa die regionale Notenbank in Philadelphia die 34-Jährige in einem Konjunkturbericht erwähnte. Denn ihre Auftritte führten zu Konsumausgaben von insgesamt 4,6 Milliarden Dollar. Damit übertrumpfte Swift die Wirtschaftsleistung von 35 Staaten in den USA.

Die Eintrittskarten der Konzerte kosten im regulären Ticketverkauf zwischen 200 und 800 Dollar, auf dem Zweitmarkt oft deutlich mehr. Hinzu kommen bei vielen Besuchern weitere Ausgaben für Anreise, Übernachtung, Essen, Getränke und Outfits. Geld in die Kassen spülte darüber hinaus auch der im vergangenen Jahr veröffentlichte Konzertfilm "Taylor Swift: The Eras Tour". Er lief in etwa 8.500 Kinos in mehr als 100 Ländern. Das brachte Swifts eigener Produktionsfirma über 260 Millionen Dollar ein.

Steigende Hotelpreise

Für fünf Konzerte wird Taylor Swift im Rahmen ihrer "The Eras Tour" im Sommer auch nach Deutschland kommen. Neben Gelsenkirchen und München tritt sie zweimal in Hamburg auf. Allein dort rechnet der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA mit mehr als 100.000 Fans, den sogenannten Swifties, die in die Stadt kommen werden - oft mit weiter Anreise.

Bereits jetzt sind die Hotelpreise an den beiden Konzerttagen im Juli deutlich gestiegen. Zum Teil haben sie sich vervierfacht. Hinzu kommen ausgebuchte Restaurants. Denn zu beobachten sei, dass es mittlerweile nicht mehr beim reinen Konzertbesuch bleibe, sondern Veranstaltungen als Event gesehen werden, sagt Kathrin Wirth-Ueberschär von der DEHOGA in Hamburg.

Oft werden danach auch Restaurantbesuche, Musicals oder Hafenrundfahrten gebucht. Dadurch blieben die Menschen länger in der Stadt und würden auch mehr ausgeben, so die Expertin.

Tourismus und Steuereinnahmen

Offizielle Zahlen, wie viel Geld bei den deutschen Taylor-Swift-Konzerten hängen bleiben wird, gibt es nicht. Das liegt auch daran, dass Taylor Swift bislang kein Konzert hierzulande gegeben hat.

Allerdings lässt sich erahnen, wie viel es sein könnte: Beim Arbeitsamt von Los Angeles haben Mitarbeitende ausgerechnet, dass die sechs vergangenen Konzerte von Taylor Swift dem Bezirk vor Ort 320 Millionen Dollar an Tourismus- und Steuereinnahmen einbrachten.

Vergleichen lassen sich die Taylor Swift Konzerte zudem von der Größe her mit Auftritten von Beyoncé. Allein der Tourauftakt des US-Superstars in Stockholm sorgte im vergangenen Jahr dafür, dass die schwedische Inflationsrate im Mai 2023 statt um 0,4 nur um 0,2 Prozentpunkte zurückgegangen sein soll.

 

"Swiftonomics" sorgt für Aufsehen

Der zeitweise wirtschaftliche Aufschwung rund um die Taylor-Swift-Konzerte am jeweiligen Ort werden als "Swiftonomics" bezeichnet. Schon längst hat sich der Erfolg und das wirtschaftliche Potenzial weltweit herumgesprochen. Immer mehr Länder und Städte wollen daher ein Stück vom Kuchen abhaben.

Medial in den Fokus gerückt war zuletzt etwa Indonesien. Trotz sämtlicher Bemühungen, Konzerte vor Ort zu organisieren, ging das Land leer aus. Stattdessen blieb es bei gleich sechs Konzerten im März - jedoch im nahegelegenen Singapur.

Die indonesische Regierung ist dabei nicht die erste, die Swift umgarnt: Die Pop-Ikone erhielt auch schon Einladungen für Konzertauftritte durch den kanadischen Premier Justin Trudeau, den Präsidenten von Chile oder den Bürgermeister der ungarischen Hauptstadt Budapest. Teils waren die Charme-Offensiven von Erfolg gekrönt. Swift nahm zum Beispiel nachträglich mehrere Tournee-Stopps in Kanada ins Programm auf.

Geschäft mit Mode und Merchandising

Taylor Swift ist nicht nur mehrfache Grammy-Gewinnerin, sondern auch Stilikone. Die Zeiten des "Country Girls" sind lange vorbei. Mittlerweile inszeniert sie sich auf Konzerten und Veranstaltungen in schillernden Outfits. Das, was sie trägt, ist in der Regel innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Darüber hinaus hat Swift eine erfolgreiche Linie von Merchandising-Produkten aufgebaut: darunter Kleidung, Schmuck und Parfums.

Experten haben berechnet, dass jeder Besucher von Taylor-Swift-Konzerten im Schnitt mehr als 1.300 Dollar ausgibt. Neben dem Ticketpreis umfasst ein Großteil davon Merchandise aus der Swift-Kollektion. Wie viel Geld das am Ende einbringt, ist nicht ganz klar. Bekannt ist aber: Im vergangenen Jahr soll der Popstar mehr Geld mit Merchandise verdient haben als Rapper Drake mit seinen Konzerten - immerhin 183 Millionen Dollar.

Schon jetzt gilt die aktuell laufende Tour der 34-Jährigen als die kommerziell erfolgreichste Welttournee, die je ein Künstler gespielt hat. Die "The Eras Tour" löst damit Elton Johns Tournee "Farewell Yellow Brick Road" ab, welcher nach über 300 Shows etwa 939 Millionen Dollar zugeschrieben werden. Swift soll nach nur 60 Shows 1,04 Milliarden Dollar eingespielt haben. Und die sechste Stadion-Tour in ihrer Karriere ist noch längst nicht vorbei: Anfang Dezember soll die Tour nach voraussichtlich 152 Konzerten im kanadischen Vancouver enden. 

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung "Hamburg Journal" am 01. April 2024 um 19:30 Uhr.